Unser Bildungssystem – Erfahrungsbericht einer Mutter

In denen im Jahre 1948 verabschiedeten Menschenrechten heißt es: „Die Bildung muss auf die volle Entfaltung der menschlichen Persönlichkeit gerichtet sein.“

Wir schreiben das Jahr 2021 und sind auf der Suche nach Bildungsmöglichkeiten, die diesem Anspruch gerecht werden.

Wir, das sind unsere Kinder Alex, Phill und Hanne –ergänzt durch Krischan und mich –Karo.

Unsere Odyssee durch die Bildungslandschaft des Landes war und ist eine Erfahrungsreise, die geprägt wurde durch Unkenntnis, starre Denkmuster und der Erkenntnis, dass Entfaltung nur in engen, streng vorgegebenen Rahmen erfolgen kann und damit ihrer eigentlichen Bedeutung und Aufgabe weit entrückt ist.

Aber nun zu unserer Geschichte.

Mit der Geburt unseres ersten Sohnes begann unser Abenteuer Familie und alles schien perfekt. Wohlgemerkt war Alex unser erstes Kind und das Tempo seiner Entwicklung für uns normal. Uns kam nicht in den Sinn, dies in Frage zu stellen. Wir haben jeden Entwicklungsschritt gefeiert, ohne zu hinterfragen, ob dieser altersentsprechend sei.

Ich muss zugeben, dass ich gerne ein „Mama“ als erstes Wort vernommen hätte, aber mein Sohn zeigte eines Tages voller Stolz auf unsere Wohnzimmerlampe und sagte:“Lllampe“. Meine Reaktion –die eher verblüfft ausfiel und weniger spontaner Freude glich- schien ihn zu verwirren. Er wiederholte immer wieder sein erstes Wort. „Lllampe“. Meine Verwunderung wich mütterlichem Stolz und es sollte einer von jenen Momenten werden, in denen mich Alex in Erstaunen versetzte.

Mit einem halben Jahr wollte er unbedingt mit einem Löffel essen. Dabei hatte ich mir doch vorgenommen, ihn so lange wie möglich zu stillen. Mütterliches Vorhaben gab kindlichem Entdeckerdrang nach –oder eleganter ausgedrückt –ich ließ der Motivation meines Kindes Raum und dieses entdeckte und erforschte seine Umwelt mit wachsender Begeisterung. Sein Wissensdurst und die Geschwindigkeit, mit der er versuchte, sein Umfeld zu „begreifen“ (und ja, es ist wörtlich zu nehmen) versetzte uns immer wieder in Erstaunen. So auch bei seinen Versuchen mit dem eigenen Löffel. Er beherrschte es fast in Perfektion.

Es war nicht zu übersehen, dass er sehr kritisch mit sich selbst war. Alex beobachtete seine Umwelt so lange, bis er sich sicher war, dass er sein Vorhaben bewältigen konnte. Wenn er diese Sicherheit nicht hatte, verweigerte er jegliche Versuche. In unseren Augen war er perfekt, wie er war und bei uns durfte er seine Persönlichkeit in seinem eigenen Tempo entfalten. Inmitten eines liebevollen Umfelds gehörten dazu auch Regeln und Konsequenzen.

Seine Neugier schien wie ein Fass ohne Boden und das war für alle Beteiligten anstrengend. So korrigierte er mich beim Vorlesen von Theodor Storms „ Der Hävelmann“ als er zwei Jahre alt war. Ich wollte die Geschichte etwas abkürzen, aber er merkte es sofort und konnte ganze Passagen auswendig rezitieren.

Mit drei Jahren fragte er mich auf einer Autofahrt, ob die großen Windräder, die auf den Feldern standen, so wie seine kleine Windmühle funktionierten. Mit einem einfachen „Ja“ gab er sich nicht zufrieden und nach einer kleinen Denkpause überraschte er mich und zwang mich zu einem Moment der Stille, den ich zum Überlegen brauchte. „Wenn der Wind so stark ist, dass er die großen Windräder bewegen kann, warum bewegen sich dann die Blätter an den Bäumen hier unten nicht?“ Schweigen.

Wie erkläre ich das einem Dreijährigen?

Bei der kurz darauf folgenden kinderärztlichen Routineuntersuchung änderte sich für unsere Familie alles. Unser Sohn passte nicht mehr in die Norm. Die Sorgenfalten unseres Kinderarztes irritierten uns eher, als das wir sie ernst nahmen. Alex war das größte Geschenk, das man als Eltern erhalten konnte. Ja, es war anstrengend und ja, er tat sich schwer Spielkameraden in seinem Alter zu finden, aber er war in unserer Familie genau richtig und das so, wie er war. Was sollte uns und vor Allem unseren Sohn in seiner Entwicklung bremsen? Standen ihm nicht alle Türen und Möglichkeiten offen? Die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit und damit die Förderung der Vielfalt waren doch gewünschte Attribute dieser Gesellschaft. So, meine Gedanken damals.

Die ersten Probleme begannen im Kindergarten, wo Alex immer wieder deutlich gemacht wurde, dass diese Dinge noch nichts für ihn sein und jene Fragen nicht von so kleinen Kindern gestellt werden sollten. Er fing an sich zu verweigern, wurde still und in sich gekehrt. Nur zu Hause sprudelte er über in seinem Wissensdrang. Während man ihm in seinen Beurteilungen bescheinigte, nicht puzzeln zu können und ein Sprachförderkind zu sein, spielte er zu Hause Schach, kannte sich detailliert mit Walarten und den Ereignissen in Pompeij aus, begann Englisch zu lernen und fragte uns unzählige Löcher in den Bauch.
Irgendwann wollte Alex weder in den Kindergarten, noch fand er Freunde in seinem Alter.
Er zog sich immer mehr in sich zurück. Jeder Hilferuf von uns verhallte ungehört im Nirgendwo.

Förderung bräuchte unser Sohn nicht. Er müsse erst einmal lernen, sich anzupassen. Anpassen an was? Warum sollte ein kleiner Junge lernen, wie die Erwachsenen ticken. Warum machte sich keiner die Mühe, ihn zu verstehen? Wir waren endgültig im Schubladensystem angekommen und man teilte uns dies auch unmissverständlich schriftlich mit. „Es tut uns leid. Wir haben ihren Sohn aufgegeben, weil wir nicht wissen, wie wir mit ihm umgehen sollen.“ Damals hatte Alex noch ein Jahr Kindergarten vor sich und wir schon ein Jahr Therapie hinter uns.

Nur zur Erinnerung. Es hieß doch, dass Bildung auf die freie Entfaltung der Persönlichkeit gerichtet sein soll. Haben wir diesen Satz falsch verstanden? Für uns fühlte es sich an, als ob die Persönlichkeit unseres Sohnes an die bestehenden Verhältnisse angepasst werden sollte.

Mittlerweile ist Alex fast 17 Jahre alt und quält sich mit einem IQ von über 140 durch die Schule. Förderprogramme kamen nicht in Frage, weil er nicht die entsprechenden Noten hatte. Der Unterschied zwischen Hochleistung und Hochbegabung ist vielen ausgebildeten Lehrkräften nicht ausreichend bekannt. Alex bietet Lösungen in den Arbeiten an, die Lehrer nicht in ihren Musterlösungen haben und so keine Anerkennung finden. Seine Denkmuster sind nicht Standard und das scheint die Lehrkräfte zu verwirren. Alex wurde im Laufe der Zeit immer unsicherer und traute sich letztendlich nichts mehr zu.

Aus einem motivierten Weltentdecker wurde ein verzweifelter Teenager, der von sich dachte, dass er dumm sei.

Auf der Suche nach Hilfe, lernten wir Christian Klee kennen. Er nahm sich die Zeit, die es dauerte, um Alex die Möglichkeit zu geben, wieder zu sich selbst zu finden und seine eigene Landkarte zu entdecken. Gemeinsam, motiviert und mit Spaß spüren sie Möglichkeiten und Talente auf, stoßen auf Begabungen und tief verborgene Motivation.
Nach den ersten Stunden kam unser Sohn zu mir und sagte: „Danke Mama! Weißt du eigentlich wie schön es ist, wenn man erkennt, was Glück ist und wie wichtig es ist, die richtigen Menschen um sich zu haben, damit man seinen eigenen Weg gehen kann?“
Jetzt kann er ihn gehen -seinen Weg-. Er ist aus seiner Schublade geklettert –in die er übrigens nie gepasst hat- und entdeckt seine Möglichkeiten.

Ich wünsche mir für alle Kinder, dass ihnen die Chance geboten werden kann, sich ihrer eigenen Fähigkeiten bewusst zu werden.

Es wäre ein Zukunftsziel, dass Lehrende sich die Mühe machen, einen –oder besser noch, viele- Blicke über ihren eigenen Tellerrand hinaus zu wagen.

Querdenken, nicht auswendig lernen, sollte gefördert werden.

Wir müssen von einem Bildungssystem, das unsere Kinder in „Wissensbulemie“ (= Wissen in die Köpfe der Kinder stopfen, damit diese jenes in den Klausuren auskotzen (Verzeihung!!), um es sofort wieder zu vergessen) fördert, zu einem wechseln, dass die eigene Kreativität beim Denken in den Mittelpunkt stellt.

Jeder Mensch verfügt über Fähigkeiten und selten werden diese in vollem Umfang genutzt. Ursächlich liegt es vielleicht daran, dass unser Bildungssystem nicht darauf ausgelegt ist, diese zu erkennen und zu fördern. Es gibt an unseren Schulen mehr Förder-und Nachhilfekurse als Projekte, die Begabungen fördern. (Und damit meine ich nicht jene, die für Schüler mit sehr guten Noten geschaffen wurden und für jene, die besondere Talente, aber keine guten Noten vorweisen können, nicht zur Verfügung stehen.) Begabungen werden leider immer noch mit Noten in Verbindung gebracht. Dabei wird vergessen, was eine solche Förderung für die Motivation der Kinder bedeuten könnte.

Es ist Zeit, dass sich etwas verändert im Bereich Bildung. Bildung ist Zukunft und die wird gestaltet werden von unseren Kindern. Sie müssen motiviert sein und die Möglichkeit erhalten, ihre Potenziale zu erkennen und nutzen zu dürfen, denn wir werden zukünftig mit den Entscheidungen und Einstellungen der nächsten Generation leben müssen.
Es liegt in unserer Hand und aus diesem Grund ist es mir ein ganz besonderes Anliegen Menschen, wie Christian Klee zu unterstützen.

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